Für viele Erwerbstätige ist die Frühpensionierung ein Traum. Eine Analyse von fast 9000 mittelständischen Haushalten, die ihre Pensionierung mit dem VZ geplant haben, zeigt: 47 Prozent wollten nicht bis 65 arbeiten. Nur 4 Prozent hatten vor, nach 65 berufstätig zu bleiben.
Die Wirklichkeit zeigt ein anderes Bild: Statt früher in Pension zu gehen, arbeitet fast jeder Zweite weit über das Pensionsalter hinaus – zumindest Teilzeit. Mit 65 Jahren haben sich erst 54 Prozent der Erwerbstätigen vollständig aus dem Berufsleben zurückgezogen. Diese Zahlen gehen aus einer VZ-Analyse der Einzahlungen in die Säule 3a hervor. Solche Einzahlungen sind bis 5 Jahre über das Referenzalter hinaus möglich – vorausgesetzt, man arbeitet mindestens mit einem reduzierten Pensum weiter.
Frühpensionierung: Es fehlt nicht nur das Geld
Für diese Diskrepanz gibt es mehrere Gründe:
- Viele sind fit, haben Freude an der Arbeit, geniessen die Sozialkontakte und die Wertschätzung, die damit verbunden ist.
- Gleichzeitig sind die Kosten einer vollständigen Frühpensionierung vielen Erwerbstätigen zu hoch.
Wer früher in Pension geht, verzichtet nicht nur auf Einkommen, sondern bekommt dauerhaft weniger Rente. Zudem zahlen Frühpensionierte bis zu ihrem ordentlichen Pensionierungsalter Beiträge in die AHV ein – auch ohne Erwerbseinkommen. Wie hoch die Beiträge sind, hängt vom Vermögen und allfälligen Renten ab.
Ähnlich sieht es beim Pensionskassen-Guthaben aus: Wer vor 64 bzw. 65 Jahren Geld bezieht, bekommt lebenslang weniger. Der Umwandlungssatz wird gekürzt, es fehlen Beitragsjahre und Zinsgutschriften. Die PK-Renten können so um bis zu 10 Prozent pro vorgezogenem Jahr schrumpfen. Der Mann im Beispiel in der Tabelle verdient netto 90 000 Franken pro Jahr. Die Pensionierung mit 64 statt mit 65 kostet ihn 94 000 Franken. Geht er schon mit 62 in Pension, steigen die Kosten auf 276 600 Franken.
Immer mehr Erwerbstätige setzen heute auf eine Teilpensionierung. Einige reduzieren ihr Pensum schrittweise, zuerst etwa von 100 auf 70 Prozent und später auf 40 Prozent. In dieser Zeit beziehen sie nur den Teil ihrer Altersleistungen, der die Lohneinbusse ausgleicht. Das hat mehrere Vorteile:
- Bei einer schrittweisen Pensionierung werden die Renten weniger gekürzt.
- Berufstätige sind abgesichert, wenn sie verunfallen, invalid werden oder sterben.
- Teilzeitler können weiter Vorsorgekapital aufbauen.
- Gestaffelte Bezüge von Guthaben und Einzahlungen in die Säule 3a helfen, die Steuerbelastung zu senken.
- Schliesslich spielen auch psychologische Faktoren eine Rolle: Ein gleitender Ausstieg gibt Pensionären mehr Zeit, um sich an einen neuen Lebensrhythmus zu gewöhnen.
Wichtig: Ob Teilpensionierung oder Frühpensionierung – beide Projekte sind komplex. Darum ist eine sorgfältige Planung unverzichtbar.


